Handy-Rechnung zu hoch – wie kann man am besten reagieren?

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Handy-Rechnung zu hoch – wie kann man am besten reagieren? – Meist hat man erst mal einen ziemlichen Schock, wenn eine viel zu hohe Handyrechnung zu Hause eintrifft. Man sollte dann aber einen kühlen Kopf bewahren und einige Punkte nachlesen. Denn es kann verschiedene Ursachen haben, wie so ein hoher und unerwarteter Betrag in der Handyrechnung zustande kommen kann. In vielen Fällen nützt an der Stelle auch ein günstiger Tarif oder eine Allnet Flat nicht weiter  – häufig gibt es dennoch Leistungen, die separat abgerechnet werden und die dann unter Umständen hohe Kosten auf der Handy-Rechnung verursachen können. Die höchsten Handy Rechnungen liegen in solchen Fällen bei einigen Millionen Euro. Es gibt aber einige Tipps, wie man verhindern kann, dass es überhaupt zu so einem Schreckensmoment kommt. Ein Hinweis dazu gleich am Anfang: Einfach die Rechnung nicht bezahlen ist in solchen Fällen die schlechteste Lösung.

Widerspruch einlegen bei zu hoher Handyrechnung

Als erstes sollte man einen Widerspruch bei dem Anbieter einreichen, wenn man mit einigen Punkten auf der Rechnung nicht einverstanden ist. Man sollte ganz genau erklären, welche Dienste, die einem in Rechnung gestellt wurden, man nicht genutzt hat. Dieser Einspruch muss schriftlich erledigt werden und innerhalb von 8 Wochen nach Erhalt der Rechnung. Doch je früher , desto besser. In dem Widerspruch sollte man um eine genaue Erklärung bitten, wie die Kosten zustande gekommen sind. Hilfreich zum Nachvollziehend er Kosten können zum Beispiel Prüfprotokolle oder Einzelverbindungsnachweise sein. Man sollte dem Anbieter eine Frist setzen. Viele Kanzleien sehen hier eine Frist von drei Wochen als angemessen an. Den Widerspruch schickt man am besten als Einschreiben an den Anbieter, damit man das Versanddatum nachweisen kann. Auch ein Rückschein ist empfehlenswert, um nachweisen zu können, dass der Anbieter den Widerspruch erhalten hat.

Um Mahnkosten zu vermeiden überweist man den gerechtfertigten Betrag, den man wirklich verbraucht hat und der eigentlich auf der Rechnung stehen sollte. Hat der Anbieter eine Einzugsermächtigung, dann holt man den Betrag zurück und überweist nur den gerechtfertigten Betrag wieder manuell. So hat man sich nicht komplett vor der Zahlung geweigert und muss mit keinen Konsequenzen wie der Sperrung der SIM-Karte rechnen.

Akzeptiert der Anbieter den Widerspruch, wird er eine korrigierte Rechnung nachreichen. Ist der Anbieter jedoch nicht so einsichtig, sollte man die Prüfprotokolle und Einzelverbindungsnachweise gründlich durchlesen und nach den erhöhten Preisen untersuchen. Findet man die Faktoren, die für die hohe Rechnung verantwortlich sind, sollte man diese Faktoren anhand folgender Kriterien prüfen. Trifft einer dieser Punkte auf den zusätzlichen Kostenfaktor zu, dann beharrt man auf seinem Widerruf und begründet diesen dementsprechend.

  • keine vertragliche Grundlage für die Forderung: Die in der Rechnung genannten Leistungen, zum Beispiel Virenscanner,  wurden nie bestellt und sind nicht Teil des Vertrags
  • Leistung nicht genutzt: wurden Kosten für Telefonate oder sonstige Leistungen berechnet, die du nie genutzt hast, musst du diese nicht zahlen
  • Fehlerhaft AGB: eventuell liegen in der AGB ungültige Klauseln vor, die zu Mehrkosten führen
  • Mitschuld des Handyanbieters: auch der Handyanbieter ist zu Rücksicht verpflichtet und darf Handyrechnungen nicht einfach in die Höhe schnellen lassen. Es gilt eine gesetzliche Kostenbremse, die bei etwa 60 Euro liegt
  • Gibt es Drittanbieter (beispielsweise per mobilem Bezahlen) die abgerechnet haben?

Hohe Rechnungen gleich vermeiden

Zwar wurden im Juni 2017 die Roaminggebühren abgeschafft, es können trotzdem noch zusätzliche Kosten beim Surfen im Ausland bestehen. Seit dem Sommer 2017 können Internetnutzer ihre Internetflat auch innerhalb der EU und weiteren Ländern, die sich dem EU-Roaming angeschlossen haben, nutzen. Die Bundesnetzagentur schreibt dazu:

Die Mobilfunkanbieter können ihren Endkunden weiterhin Roamingaufschläge in Rechnung stellen, sofern diese vom Roaminganbieter, anhand der von der Europäischen Kommission erlassenen Regelungen, festzulegende Grenze (Fair-Use-Grenze) überschreiten. Mit dieser Maßnahme soll zum einen eine missbräuchliche Nutzung und das Dauer-Roaming (beispielsweise der Kauf einer günstigeren SIM-Karte im Ausland und Nutzung dieser SIM-Karte im Inland oder wenn der Kunde sich dauerhaft im Ausland aufhält, aber einen in seinem und für sein Heimatland abgeschlossenen Vertrag nutzt) unterbunden werden.

Außerdem gilt die Abschaffung der Roaminggebühren nur innerhalb der EU und einiger anderer Länder. Man sollte sich vor einem Auslandsaufenthalt also erkundigen, wie es für das betreffende Land geregelt ist. Gelten dort die Roaminggebühren noch, dann sollte man auf die Nutzung der mobilen Daten verzichten. Am sinnvollsten ist es das Roaming in den Einstellungen zu deaktivieren. Denn selbst wenn man eigentlich ein WLAN-Netzwerk nutzt, sollte das Roaming deaktiviert sein. Verliert das Gerät nämlich die Verbindung zum WLAN-Netzwerk, dann versucht es die Verbindung über die mobilen Daten aufrecht zu erhalten.

Gleiches gilt für Nutzer, die innerhalb Deutschlands keine Internetflat haben. Auch hier versucht das Handy gelegentlich die mobilen Daten zu nutzen, um zum Beispiel Apps zu synchronisieren. Man sollte daher entweder die mobilen Daten ganz ausschalten oder sonstige Einstellungen tätigen, die die Nutzung des mobilen Internets verhindern. So kann man zum Beispiel einstellen, dass Apps nur im WLAN aktualisiert werden.

Ein weiterer Faktor, der zu hohen Handyrechnungen führen kann, sind ungewollte Verträge über Abos mit Drittanbietern. Oft werben solche Drittanbieter mit Gewinnspielen und Tests und versuchen so, die Verträge zu verstecken. Man sollte bei solchen Tests und Gewinnspielen skeptisch werden, sobald nach der Handynummer gefragt wird. Im Nachhinein fällt es nämlich oft schwer nachzuvollziehen, wann und mit wem der Vertrag zustande kam. Man kann bei seinem Anbieter auch eine Drittanbietersperre fordern, sodass solche Verträge gar nicht erst zustande kommen.

Video: Hohe Handyrechnung – das kann man tun

Bastian Ebert
Über Bastian Ebert 398 Artikel
Ich begleite die Entwicklungen im Bereich der Telekommunikation und des Mobilfunks bereits seit 2006 und schreibt regelmäßig zu den Theme Handytarife, Smartphones, Allnet Flat und zu den anderen Bereichen, die mit dem Mobilfunk zusammenhängen. Ziel ist es dabei die Verbraucher möglichst einfach und dennoch umfassend über die Produkte auf dem Markt zu informieren und vor allem die neuen Entwicklungen verständlich zu beschreiben. Bei Problemen oder Fragen - einfach die Kommentare nutzen oder micht direkt anschreiben. Mehr zu mir und meinem Hintergrund: Wer schreibt hier?

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