Was tun, wenn der Anbieter Prepaid Guthaben nicht auszahlt?

Was tun, wenn der Anbieter Prepaid Guthaben nicht auszahlt?
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Was tun, wenn der Anbieter Prepaid Guthaben nicht auszahlt? – Auf einer Prepaidkarten kann sich einiges an Guthaben ansammeln und nach der Kündigung wollen viele Kunden diese Guthaben wieder ausgezahlt bekommen. Mittlerweile ist dies gesetzlich auch geregelt – man kann sich also das Prepaid-Guthaben bei allen Anbietern wieder auszahlen lassen.

In der Praxis gibt es dabei aber immer wieder Probleme und oft machen es die Prepaid Anbieter den Kunden gar nicht so einfach, an ihr Guthaben zu kommen. So schreibt ein Kunde von Congstar bei verbraucherschutz.de:

Insgesamt habe ich Congstar drei Mal angeschrieben mit derselben Frage und habe nur eine automatische Nachricht bekommen, dass meine Anfrage ankam, aber sonst nichts. Dann habe ich Congstar noch extra wegen des Restguthabens per Kontaktformular kontaktiert – mit demselben Ergebnis. Ich habe im Internet recherchiert und sogar in Congstar-Forum gibt es zahlreiche Beschwerden darüber, dass Congstar auf solche Mails nicht reagiert hat und schon gar nicht das Geld erstattet hat. Laut den AGBs steht mir das übrige Geld zu.

Bevor ich mich gezwungen sehe zum Anwalt zu gehen, möchte ich die Angelegenheit doch friedlich klären…hoffentlich können Sie mir da weiter helfen.

Und ein anderer berichtet bei uns im Artikel zur ALDI Talk Prepaid Sim:

Ich habe meinen prepaidtarif bei AldiTalk gekündigt und einen Antrag auf Auszahlung des Restguthabens (ca. 18 Euro) gestellt. Nach mehreren solchen Anträgen und Anrufen bei der Hotline wurde mir schliesslich mitgeteilt, dass die Überweisung erst nach Ablauf von 2 Jahren (!) erfolgen kann. Also hab ich diese Zeit abgewartet und dann einen weiteren Antrag auf Auszahlung gestellt. Ich bekam in einem Antwortschreiben lapidar mitgeteilt, dass keine Auszahlung ’nötig‘ sei, da sich kein Guthaben auf der Karte befinden würde. Meine Prepaidkarte habe ich sofort nach der kündigung aus dem handy genommen und liegt mir noch vor (kann also nicht von jemand anderen benutzt worden sein). Eine Guthabenauskunft über die servicenummer zum Zeitpunkt der Entnahme der alten Karte ergab einen Betrag von 18 Euro. Ich nahm also nochmal mit AldiTalk Kontakt (Kontaktformular) auf. Ich wollte einen Nachweis über die letzten Buchungen bei der Karte. Auf die Antwort warte ich heute noch.

Nutzer sind in solchen Fällen natürlich nicht rechtlos, sondern können sich auf die geltenden Gesetzeslage berufen.

Gibt es einen Anspruch auf die Auszahlung von Guthaben?

In den letzten Jahren gab es verschiedene Urteile zum Thema Prepaid Guthaben und dessen Auszahlung und alle gegen sehr verbraucherfreundlich davon aus, dass Guthaben auf einer Prepaidkarte nicht einfach verfallen darf, sondern wieder an den Kunden auszuzahlen ist. Dazu darf die Auszahlung nicht zu kompliziert gehalten sein und muss auch ohne Simkarte durchgeführt werden (beispielsweise bei Verlust der Handykarte).

Ein noch weiter gehendes Urteil in diesem Bereich gibt es vom Oberlandesgericht Schleswig (2 U 2/11). Dort wird nicht nur die Auszahlung des Guthabens bei Beendigung eines Vertrages als legitimer Anspruch des Kunden gesehen, sondern auch verboten, dafür zusätzliche Gebühren zu erheben. Eine Guthaben-Auszahlung sein keine eigene Leistung des Anbieters, sondern Teil der Abrechnung und dafür zusätzliche Gebühren zu verlangen würden Kunden entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligten. Im Urteil dazu heißt es:

Die Auszahlung eines Restguthabens nach Beendigung des Vertrages ist indes keine echte Leistung, für die die Beklagte durch Allgemeine Geschäftsbedingungen ein Entgelt verlangen darf. Die Beklagte hat sich nicht lediglich rechtsgeschäftlich in Ziffer 4.9 Satz 1 ihrer Prepaid-​Bedingungen zur Auszahlung bereit erklärt, sondern wäre dazu ohnehin verpflichtet.

Die rechtliche Lage ist damit sehr verbraucherfreundlich und rechtlich weitgehend geklärt. Aufgeladenes Guthaben im Prepaid Bereich darf nicht einfach so verfallen oder gelöscht werden sondern muss im Zweifelsfall wieder ausgezahlt werden. Gebühren für diese Auszahlung dürfen nicht erhoben werden.

Die meisten Anbieter zahlen Prepaid-Guthaben allerdings nur aus, wenn die Simkarte gekündigt wurde. Fonic ist hier die einzige Ausnahmen: bei diesem Anbieter kann man das Guthaben quartalsweise auch wieder auszahlen lassen, wenn der Tarif noch läuft.

Was kann man tun, wenn der Anbieter Guthaben nicht auszahlt?

Sollte es Probleme mit der Auszahlung von Guthaben geben, haben Verbraucher verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren. in jedem Fall sollte man die Kommunikation mit dem Anbieter archivieren und sichern um nachweisen zu können, dass man tatsächlich bereits die Auszahlung beantragt hat. Das ist etwas kompliziert, wenn man dies beispielsweise im Online-Chat des Anbieters getan hat, daher sollte man bei Probleme die Auszahlung auf jeden Fall nochmal per Mail oder Brief offiziell und dokumentiert anfordern.

Gibt es danach immer noch keine Reaktion kann man sich an verschiedene Stellen wenden:

  • Die Bundesnetzagentur ist die Aufsichtsbehörde für die Telekommunikationsbereich und nimmt auch Beschwerden von Verbrauchern zu diesem Thema entgegen. Bei Schwierigkeiten kann man sich daher an die BNetzA wenden und diese kann bei Probleme direkt gegen die Anbieter vorgehen. Auf diese Weise werden Probleme auch gleich dokumentiert und offiziell gemacht, so dass auch andere Verbraucher sehen können, wenn es Probleme gibt.
  • Die Verbraucherzentrale vor Ort ist immer ein guter Ansprechpartner bei rechtlichen Problemen dieser Art und kennt sich in der Regel auch bei Schwierigkeiten mit Telko-Anbietern aus. Anfragen von einer Verbraucherzentrale haben oft eine höhere Relevanz bei den Discountern. Allerdings kostet es auch 30 Euro, sich an die Verbrauchernzentrale zu wenden, daher sollte man überlegen, ob sich dies wirklich lohnt.
  • Im letzten Fall kann man natürlich auch einen Anwalt einschalten, wobei sich das natürlich nur lohnt, wenn es um wirklich große Summen geht, denn ein Anwalt ist deutlich teurer als die Verbraucherzentrale.

Der günstigste Weg führt immer über die Bundesnetzagentur, da eine Beschwerde hier erstmal kostenfrei ist und damit auch bei kleineren Beträgen lohnt.

Natürlich kann man auch versuchen, die Presse zu informieren und versuchen über Fernsehen, Rundfunk oder die Tageszeitungen Druck auf die Anbieter zu machen. Wie erfolgreich so ein Weg ist, lässt sich aber kaum sagen. Vor allem bei kleinen Beträgen wird eine fehlende Auszahlung wohl kaum eine Meldung wert sein. Unabhängig davon kann man es aber natürlich versuchen und hoffen, dass man eventuell nicht der einzige Betroffene ist und die Summe dann vielleicht doch zu einem passenden Beitrag führt.

Video: Guthaben abfragen bei Vodafone

Sammlung von Urteilen zu dem Thema:

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